Einrichtung eines Marteloskopenetzwerks in der westlichen Ukraine 

Einrichtung eines Marteloskopenetzwerks in der westlichen Ukraine 

Guest article by Vasyl Lavnyy1, Peter Spathelf2 

1Vize-Rektor für Forschung an der Nationalen Forsttechnischen Universität der Ukraine in Lviv, Dr. habil.; 103 General Chuprynka st., Lviv, 79057, Ukraine; lavnyy@gmail.com 

2Professur für Angewandten Waldbau, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde; Schicklerstrasse 5, D-16225 Eberswalde, Germany; peter.spathelf@hnee.de 


Eine Hauptaufgabe der Waldbewirtschaftung ist es, zu entscheiden, wann, wo und welche Art von Eingriffen durchgeführt werden müssen. Was sind Faktoren, die Entscheidungen beeinflussen? 

Je nach Teilnehmer können sich Ziel, Motivation oder auch das Erfahrungsniveau deutlich unterscheiden. Es ist daher wichtig sich zu fragen, welche Folgen waldbauliche Eingriffe auf verschiedene Ökosystemdienstleitungen sowie die biologische Vielfalt des Waldes haben. Dafür eignen sich Marteloskope, da man in ihnen virtuelle Eingriffe vornehmen und die Ergebnisse direkt im Bestand diskutieren kann. Die Anwendung bietet sich nicht nur für Teilnehmende mit gutem forstlichem Verständnis an, sondern auch für Studierende und andere am Wald interessierte Gruppen. 

Während der letzten 20 Jahre hat Prof. Vasyl Lavnyy viele Exkursionen für ausländische Wissenschaftler und Förster aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich durch ukrainische Urwälder geführt. Während gemeinsamen Wanderungen und Gesprächen mit Kollegen hat er über das Projekt vom Europäischen Forest Institute Integrate+ “Etablierung eines Europäischen Netzwerk von Demonstrationsflächen zur Intergration von Biodiversitätserhalt in Forstwirtschaft” (gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – BMEL) erfahren. Dieses Thema ist wichtig auch für die Ukraine, die aktiv an der Einführung von nachhaltiger multifunktionaler Forstwirtschaft arbeitet. Prof. Lavnyy hatte bereits im Jahr 2017 den Mikrohabitate-Katalog ins Ukrainische übersetzt. 

Die Nationale Forsttechnische Universität der Ukraine hat viele gemeinsame Forschungsprojekte mit ausländischen Universitäten und Forschungsanstalten, aber die engste Partnerschaft besteht mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Auf dem Waldbau-Gebiet leiten diese Zusammenarbeit die Professoren Vasyl Lavnyy und Peter Spathelf. Neben der gemeinsamen Lehre und Publikationen haben sie in der westlichen Ukraine auch eine Reihe von Demonstrationsflächen für den naturnahen Waldbau angelegt. Diese Flächen haben sie in den Beständen von dominierenden Baumarten angelegt – diese sind Kiefernwälder (35% der Waldfläche der Ukraine, Eichenwälder – 28% und Buchenwälder – 9%)1. Ein weiteres Kriterium war deren Lage ‒ sie sollten nahe der Bundesstraßen nicht weit von Lviv liegen, damit Studierende und Mitarbeitende des Forstbetriebs Lviv sie schnell erreichen können.   

Im Weiteren werden die sieben Marteloskope im Detail vorgestellt. 

Die ersten beiden Marteloskope in der Ukraine wurden bereits 2020 im Rahmen des internationalen wissenschaftlichen Projektes Resilpine ‒ Waldumbau von Kiefernwäldern zu einer naturnahen Waldwirtschaft in der Ukraine – unter besonderer Berücksichtigung der Resilienz gegenüber Feuer und Witterungsextremen wie Trockenheit nach den Prinzipien des Integrierten Feuer-Managements (2020-2022)“ eingerichtet. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – BMEL gefördert. Leiter des Projektes war Prof. Peter Spathelf von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Deutschland. 

Abb. 1. Peter Spathelf, Vasyl Lavnyy und Leiter des Forstreviers Lapajiwka Vitaliy Shymkiv während einer Besprechung im Marteloskop Nr.1 (Revier Lapajiwka). 

Das erste Marteloskop liegt in einem 75-jährigen gemischten Kiefernbestand im Forstrevier Lapajiwka des Forstbetriebes Lviv (Abb. 1). Detaillierte Bestandeskennzahlen sind in Tab. 1 aufgeführt. Die durchschnittliche Baumhöhe beträgt 27,6 m, der mittlere BHD  37,2 cm, der Bestockungsgrad liegt bei 0,82. 

Tab. 1. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 1 (Forestrevier Lapajiwka). 

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Pinus silvestris 186 22,6839 29,3 39,4 313,7 57,3 
Tilia cordata 102 5,6580 22,3 26,6 66,6 12,2 
Carpinus betulus 82 0,9120 13,1 11,9 7,3 1,3 
Quercus robur 79 5,6986 24,1 30,3 68,2 12,5 
Acer platanoides 44 1,9755 22,4 23,9 24,1 4,4 
Larix decidua 19 4,4437 30,9 54,6 64,2 11,7 
Fraxinus excelsior 0,0277 16,1 10,8 0,2 0,04 
Betula pendula 0,1664 25,4 32,6 2,0 0,4 
Alnus glutinosa 0,0782 24,4 22,3 0,9 0,2 
Prunus avium 0,0217 12,4 11,8 0,1 0,02 
Acer platyphyllus 0,0394 19,2 22,4 0,4 0,1 
Insgesamt 522 41,7051 27,6 37,2 547,7 100 

Das zweite Marteloskop wurde in einem 80-jährigen gemischten Eichenbestand im Forstrevier Velykyy Lubin des Forstbetriebes Lviv angelegt (Abb. 2). Die Bestandeskennzahlen sind in Tab. 2 zusammengefasst. Dieser Waldbestand ist zweischichtig ‒ die Stieleiche bildet die Oberschicht mit der Hainbuche im Unterstand. 

Tab. 2. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 2 (Forstrevier Velykyy Lubin). 

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Quercus robur 205 25,5520 27,0 39,8 355,9 79,7 
Carpinus betulus 305 8,9248 18,0 19,3 88,6 20,3 
Insgesamt 510 34,4768 21,6 27.5 446,7 100 

Dank einem weiteren Projekt “ManUk – Waldpflege als Voraussetzung für die Entwicklung produktiver, waldbrandrobuster und klimaresilienter Wälder in der Ukraine (2024-2026)“ wurden unter der Leitung von Prof. Peter Spathelf und Prof. Vasyl Lavnyy zwischen November 2024 und September 2025 fünf neue Marteloskope angelegt. Das Projekt erhielt finanzielle Unterstützung vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Als wissenschaftliche Angestellte unterstützen folgende Personen der Nationalen Forsttechnischen Universität der Ukraine das Projekt: 1) Dr. Andrii Ivaniuk (Dozent des Lehrstuhls für Forstkulturen und Waldselektion); 2) Dr. Taras Yuskevych (Leiter des Lehrstuhls für Botanik, Dendrologie und Nichtholzressourcen) und 3) Dr. Oksana Mykhayliv (Dozentin des Lehrstuhls für Waldbau). 

Abb. 2. Das Marteloskop im Forstrevier Velykyy Lubin. 

Das dritte Marteloskop wurde in einem 81-jährigen gemischten Kiefernbestand im Lelekhiwka Forstrevier des Lehrforstbetriebes Stradch eingerichtet (Abb. 3). Die Bestandeskennzahlen sind in Tab. 3 zusammengefasst. Der Bestand ist mit 769 Baumindividuen sehr stammzahlreich und eignet sich daher gut für Durchforstungsübungen. 

Abb.3. Bestandesaufnahme im Marteloskop Nr. 3 (Forstrevier Lelekhivka). 

Tab. 3. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 3 (Forstrevier Lelekhivka). 

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Fagus sylvatica 187 7,8 22,0 22,8 81 16,5 
Carpinus betulus 201 3,1 16,0 14,1 24 4,9 
Pinus silvestris 359 31,7 26,8 33,5 377 76,8 
Acer platanoides 11 0,3 19,6 19,4 0,6 
Acer platyphyllus  0,2 23,0 22,6 0,6 
Ulmus glabra 0,1 19,8 20,0 0,2 
Betula pendula 0,0 26,4 29,9 0,2 
Prunus avium 0,0 21,9 26,4 0,2 
Insgesamt 769 43,2 25,1 26,7 491 100 

Im Lehrforstbetrieb Stradch wurde ein weiteres Marteloskop ebenfalls in einem Eichenbestand angelegt (Abb. 4). Die Bestandeskennzahlen sind in Tab. 4 aufgeführt. Die Einrichtung der Fläche in einem Lehrforstbetrieb ist strategisch wichtig da das Marteloskop so gut in die Aus- und Weiterbildung eingegliedert werden kann. 

Abb. 4. Das Marteloskop im Forstrevier Stradch. 

Tab. 4. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 4 (Forstrevier Stradch). 

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Fagus sylvatica 141 7,3 21,0 25,6 78 18,6 
Carpinus betulus 87 1,0 12,5 12,0 1,4 
Quercus robur 335 25,2 24,9 31,0 305 72,6 
Pinus silvestris 14 2,6 27,6 48,4 31 7,4 
Insgesamt 580 36,1 24,0 28,1 420 100 

Das fünfte Marteloskop wurde in einem 76-jährigen Buchenbestand im Forstrevier Lypnyky des Lehrforstbetriebes Lviv eingerichtet (Abb. 5).  Bestandeskennzahlen gehen aus Tab. 5 hervor. Das Marteloskop im Lypnyky Lehrforstrbetrieb mit Schwerpunkt auf Buche ergänzt sich so gut mit dem Eichen-Marteloskop in Stradch. 

Abb. 5. Das Marteloskop Nr. 5 im Forstrevier Lypnyky. 

Tab. 5. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 5 (Forstrevier Lypnyky). 

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Fagus sylvatica 334 32,6 29,0 36,0 430 90,2 
Carpinus betulus 95 4,4 23,3 24,3 46 9,6 
Prunus avium 0,1 21,8 36,0 0,2 
Insgesamt 430 37,1 28,3 33,7 477 100 

Das sechste Marteloskop wurde in einem 85-jährigen Tannenbestand im Forstrevier Rosluch (Forstbetrieb Sambir) angelegt (Abb. 6). Die Bestandeskennzahlen gehen aus Tab. 6 hervor. Die Einrichtung von Marteloskopen in Nadelholz-dominierten Beständen (siehe dazu auch Marteloskop Nr. 7) in den Gebirgswäldern der ukrainischen Karpaten erweitert die Palette der Möglichkeiten für Übungsleiter*innen. 

Abb. 6. Bestandesbild des Marteloskopes Nr. 6 im Forstrevier Rosluch. 

Tab.6. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 6 (Forstrevier Rosluch).  

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Abies alba 647 60,7 27,4 34,5 782 99,2 
Picea abies 11 0,5 21,7 27,7 0,8 
Salix caprea 0,03 7,9 10,8 0,14 0,018 
Betula pendula 0,02 10,8 16,0 0,12 0,015 
Carpinus betulus 0,01 11,4 8,0 0,04 0,005 
Insgesamt 663 61,3 27,2 34,2 788 100 

Das siebte Marteloskop schließlich wurde in einem 79-jährigen Fichtenbestand des Forstbetriebes Vyhoda eingerichtet. Es werden dadurch neben der Tanne auch ein Fichtenbestand für Schulungsveranstaltungen bereitgestellt (Abb.7, sowie Tab. 7). 

Abb. 7. Das des Marteloskop Nr. 7 im Forstbetrieb Vyhoda. 

Tab. 7. Bestandeskennzahlen nach Baumarten im Marteloskop Nr. 7 (Forstbetrieb Vyhoda).  

Baumart Anzahl von Bäumen, Stück Grundfläche, m2 Mittlere Vorrat, m3 % vom Bestandes-vorrat 
Н, m  D, cm 
Picea abies 855 57,9 29,5 29,4 804 99,4 
Fagus sylvatica 33 0,6 13,5 15,6 0,5 
Abies alba 0,1 18,2 17,9 0,1 
Insgesamt 893 58,6 29,4 29,3 809 100 

Die Daten aller sieben Marteloskope wurden an das Sekretariat des Integrate Netzwerkes, welches von dem European Forest Institute (EFI) betreut wird, geschickt und dort von Sergey Zudin und Andreas Schuck aufbereitet, geprüft und in die Marteloskop Datenbank eingepflegt. Danach können die Flächen auf mobile Endgeräte aufgespielt und mit der eigens von EFI entwickelten Trainings-Software („I+“) für Übung eingesetzt werden. 

Die einzelnen Flächen werden jeweils in einem Informationsblatt kurz vorgestellt. Die Informationsblätter können auf der I+ Webseite abgerufen werden (Abb. 8). 

Abb. 8. Informatinsblatt Martelskop Vyhoda.  

Die angelegten Marteloskope wurden im Juli 2025 der Leitung der Staatlichen Agentur für Forstressourcen der Ukraine vorgestellt und in den Bestand der Versuchsflächen übernommen (Abb. 9). 

Abb. 9. Die Leitung der Staatlichen Agentur für Forstressourcen der Ukraine besucht das Marteloskop Lypnyky. 

Im August-Oktober 2025 fanden in den Marteloskopen praktische Seminare für Mitarbeiter des Staatlichen Forstbetriebes “Wälder der Ukraine” statt (Abb. 10). Die führenden Mitarbeiter des Karpatischen Wald-Office des Staatlichen Forstbetriebes “Wälder der Ukraine” haben die Waldbau-Übungen in den Marteloskopen als gut und sehr lehrreich befunden und wollen diese Art des Trainings auch während der nächsten Jahre fortsetzten. Das wird im Rahmen der Strategie der naturnahen Waldbewirtschaftung im Staatlichen Forstbetrieb “Wälder der Ukraine” durchgeführt werden.  

Abb. 10. Praktische Übungen im Marteloskop Nr. 5 (Forstrevier Lypnyky) mit Mitarbeitern des  Staatlichen Forstbetriebes “Wälder der Ukraine“. 

Die Regierung der Ukraine hat laut Beschluss Nr. 441 vom 19. April 2024 die Kahlschlagwirtschaft in den Bergwäldern der Karpatenregion verboten. Es sollen vielmehr Umbauhiebe eingesetzt werden und diese kann man sehr gut auch in Marteloskopen üben. Dazu plant Prof. Lavnyy im Frühjahr 2026 für Oberförster von Forstbetrieben im Lviv-Gebiet Kurse durchzuführen und ihnen die Trainings-Software („I+“) näherzubringen, damit sie sogenannte Waldbautrainer (Übungsleiter*innen) werden und später selbst auf den von der Nationalen Forsttechnischen Universität angelegten Marteloskope ihre Mitarbeiter schulen können („Train the Trainers“). 

Die sieben Marteloskope werden auch für praktische Übungen von Bachelor- und Masterstudierenden verwendet, vor allem während des Waldbau-Praktikums.  

Dank vielen Vorträgen von Prof. Lavnyy und seinen Kollegen an anderen Universitäten und in den Nationalparks der Ukraine sowie deren Publikationen ist das Potenzial von Marteloskopen in der Ukraine inzwischen gut bekannt. 

So planen Kollegen aus Kyiv, Zhytomyr, Ivano-Frankivsk und Ushgorod die Anlage von Marteloskopen auch in ihren Regionen für die Schulung von Studierenden und Förstern.